der zauber des caminos [repost von 2013]




nehmt euch ein bisschen zeit.
nehmt euch eine tasse kaffee oder tee.

und ich gebe euch eine wunderbare geschichte - den zauber des caminos...



tag 1


nachdem am flughafen in santiago gelandet waren, fuhren wir mit dem taxi bis nach sarria. von dort aus sind es über 100km, die man als pilger zu fuß zurück legen muss, um am ziel die begehrte compostela-urkunde zu bekommen. (zu fahrrad oder pferd sind es mindestens 200km)

als nachweis für die zurück gelegte strecke dient der pilgerausweis, in den jeden tag mindestens zwei motive aus unterschiedlichen orten gestempelt werden müssen. für uns war dies natürlich anlass, gleich in das nächstbeste café zu gehen und uns den ersten stempel zu holen. :)

die ersten meter der strecke gingen dann sehr steil bergauf. der taxifahrer hatte uns das schon auf der fahrt prophezeiht. er hat auch einen ganz wundervollen satz gesagt: "if you need anything, the other pilgrims will help you."


der recht unspektakuläre blick über sarria.

wir wollten uns vor dem aufbrechen eigentlich noch etwas zum trinken kaufen. kleine 0,5l flaschen, die nicht zu schwer sind, in den rucksack passen und wieder aufgefüllt werden können. mist, vergessen... tempos hatten wir auch keine mit. zurücklaufen war ausgeschlossen. wir waren jetzt schon ko, hinter uns lag schließlich eine nacht mit nur wenigen stunden schlaf und ein billigflug. einige meter weiter blieb uns der atem weg...




wir nahmen uns eine flasche wasser, stempelten ein wunderschönes bildchen in unseren pilgerausweis und hinterließen eine spende. vor freude über diesen "zufall" waren die nächsten, steilen kilometer auch gar nicht mehr so schlimm. augeschildert war der komplette camino mit wegweisern, verlaufen war somit nicht möglich. außerdem konnte man sich anhand der anderen pilger orientieren, die einem beim überholen immer "buen camino" wünschten.


wir ließen es zunächst ruhig angehen und machten so oft pause, wie es möglich nötig war. so überholten wir immer wieder ein älteres ehepaar aus england, die sehr interessiert an dem inhalt des kochtopfes waren.


früher tranken die pilger das wasser aus gebirgsbächen und quellen. dazu nutzten sie eine jakobsmuschel, die heute nicht nur das zeichen für den weg darstellt, sondern auch an jedem pilger-rucksack hängt. in einem pilger-forum hatte ich gelesen, dass man diese muschel nicht zwingend vor der reise kaufen muss, sondern dass jeder seine muschel irgendwie auf dem weg bekommt... als wir nun schon einige kilometer gelaufen waren und uns über die 100km-markierung freuten, kam eine frau aus einem alten bauernhaus und wedelte mit zwei muscheln. das waren unsere... :)


nach elf kilometern kehrten wir in die erste herberge ein. total urig! zum glück haben wir das letzte doppelzimmer noch bekommen. der herbergsvater sprach englisch, was nicht normal ist auf dem camino. auch erste bekanntschaften mit anderen deutschen wurden geschlossen.


ein aufregender und anstrengender tag ging zu ende. dass alle anderen tage noch viel aufregender sein würden, war uns zu diesem zeitpunkt noch nicht bewusst... trotzdem hatte uns der zauber des caminos schon in seinen bann gezogen.

tag 2





nach dem aufwachen hatten wir nur einen gedanken: weiter laufen! es war, als ob uns der weg zog. beim kaffeetrinken vor der herberge sahen wir schon pilger vorbei ziehen, obwohl es noch nicht mal hell war. "was wäre der camino bei dunkelheit und ohne seine wundervollen ausblicke über die täler von galicien?", fragten wir uns. den grund für die nächtlichen wanderungen hatten wir aber schon im flugzeug von einem netten mann, der seine frau nach sechs wochen jakobsweg abholen wollte, erfahren: der camino ist voll! man sollte sich bis spätestens 14 uhr eine herberge gesucht haben, ansonsten muss man auf (teurere) pensionen oder hotels zurück greifen, um nicht unter freiem himmel schlafen zu müssen.


die ersten kilometer liefen sich wie nichts. die füße machten (noch) keine probleme, die sonne schien und in einem kleinen wald wurden wir zum ersten mal mit der "kunst" des caminos überrascht. die pilger hatten hier sachen hinterlassen, die sie nicht mehr brauchten: hüte, muscheln, wanderschuhe(!!!), fotos, tücher und kleine zettel mit wünschen machten diesen ort zu etwas besonderem.


ein paar kilometer weiter (wir waren schon eine stunde unterwegs), fiel mir etwas auf... ich hatte mein handy in der herberge vergessen!! :( wir versuchten zunächst die telefonnummer der herberge im internet zu finden. aber wie hieß sie?? warum hatten wir keinen reiseführer mit, in dem das alles drin stand? noch nicht mal auf dem stempel, den wir uns bereits am abend in der herberge geholt hatten, konnte man den namen lesen... 

wenn man "normalen" urlaub macht, checkt man vor dem verlassen des hotelzimmers schnell, ob man alle notwendigen unterlagen, geld und sowas wie ein handy mit hat. auf dem camino ist das anders. es ist alles gleich wichtig! ob ich jetzt mein handy, den hirschtalg, meine zahnbürste oder das zweite paar socken vergessen hätte - alles wäre "gleich schlimm" gewesen! 

es nutzte alles nichts, wir mussten zurück laufen. viele pilger kamen uns entgegen. dabei wurde uns folgendes bewusst: es ist egal, wie du aussiehst, wie groß dein rucksack ist, wie schnell du läufst, welche haarfarbe oder nationalität du hast - jeder pilger wird gleich behandelt und akzeptiert.

aber eins darfst du nicht tun: in die falsche richtung pilgern!! :)

nach einer viertel stunde in die "falsche" richtung laufen, kamen uns zwei bekannte gesichter entgegen. sie schauten mehr erfreut als verwundert. die engländer vom vortag!! sie hatten einen reiseführer dabei, in dem die telefonnummer der herberge stand. wir riefen dort an und der herbergsvater teilte uns mit, dass er das handy via gepäckfahrservice mit in die nächste stadt schickt. der taxifahrer hatte es doch gesagt: "if you need anything, the other pilgrims will help you."

also ging es weiter nach portomarin...

die überreste des alten portomarin

...eine stadt, deren früherer ortskern wegen eines stausees überschwemmt wurde. einzig die kirche san nicolas wurde damals stein für stein abgetragen und am hügel neu erbaut. in einem hotel holten wir das handy ab und begaben uns weiter auf den steilen weg des caminos.

san nicolas

nach dem ortsausgang trafen wir auch die deutschen vom vortag wieder. sie hatten kein handy verloren und konnten stattdessen zwei stunden pause machen. ^^


pilger bringen steine mit auf den camino, um ihre sorgen abzuladen. auch auf den wegweisern sind ganz oft steine zu finden. mal kleine, mal große sorgen und steine...


da wir wegen dem verlorenen handy auch einige zeit verloren hatten, wurde erst sehr spät eine warme mahlzeit eingenommen. die spanier stehen total auf pommes frites mit spiegelei als beilage. ich fand es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, bin aber mittlerweile auch ein fan davon.


nach dem essen kamen wir mit einer pilgerin ins gespräch, die vor 5 wochen in genf losgelaufen war: liane. wow, die erste "richtige" pilgerin. ihre geschichte und ihre art zu reden lud uns zum bleiben ein. "habt ihr denn einen reisführer?", fragte sie uns. nein, hatten wir natürlich nicht. wir zeigten ganz stolz unsere einlaminierten landkarten. sie musste herzlich lachen. wir lachten mit. danach schenkte sie uns einen deutschen reiseführer, den sie in einem hotel gefunden hatte. hätten wir den mal heute morgen schon gehabt, da stand die nummer von der herberge nämlich drin...

der austausch unter pilgern beginnt meistens so: buen camino! wo kommst du her? seit wann bist du unterwegs? hast du schon probleme mit blasen an den füßen? zum letzteren thema empfahl uns liane einen jungen mann mit e-zigarette. er soll eine legende auf dem camino sein, weil seine füße sooo schlimm aussehen...


wir ließen liane zurück und machten uns weitere drei kilometer auf den weg.



unsere pension für diese nacht... abends wurde nochmal herzhaft über die situation mit dem handy gelacht und zuhause angerufen, um die geschichte zu erzählen. für die nächsten tage konnte ja, dank dem neuen reiseführer, nichts mehr schief gehen.


tag 3



schon beim wachwerden bemerkte ich, dass das lufttrocknen der haare am vortag nicht gut war. eine erkältung machte sich breit. als wir an der bar unserer pension standen, um einen kaffee zu bestellen, sah ich einen jungen mann mit einer e-zigarette. liane hatte uns von ihm erzählt, er soll die schlimmsten blasen des caminos an den füßen haben. wir sprachen ihn an. nach einer kurzen unterhaltung entstand folgende situation:

"wo kommt ihr her?", fragte er.
"aus der nähe von gießen.", sagten wir.
"so wie tina..."
was? es war noch jemand aus gießen auf dem camino?  verrückt!


wir liefen wieder beim sonnenaufgang los und trafen (oh wunder!) wieder auf die zwei deutschen damen. heike und kerstin, "kurzzeitpilger" wie wir. zusammen kehrten wir in ein restaurant ein, um uns für den weiteren weg zu stärken.

die erkältung machte mir weiter zu schaffen, sodass die nächsten steigungen nicht nur zur körperlichen, sondern auch zu seelischen qual für meine mitpilger wurde. :)


heike und kerstin hatten zwei betten in einer herberge reserviert. kurz überlegten wir noch, ob wir auch dort übernachten wollen. aber ein zimmer mit acht betten wäre für die restlichen sieben pilger echt ungemütlich geworden, da ich schon tagsüber die ganze zeit am husten war. nichts desto trotz war die bar der herberge ein foto wert...



am ende des ortes gab es eine weitere herberge, die natürlich auch keine doppelzimmer hatte. in unserem reiseführer stand, dass es die nächsten zehn kilometer keine weitere herberge geben wird. was nun?

"hallo, mädels!", rief eine bekannte stimme hinter uns. liane! sie hatte sich seit 5 wochen (!!!) zum ersten mal in der dunkelheit verlaufen und somit einige stunden verloren. mit ihr zusammen liefen wir die zehn kilometer wie nichts. wir redeten über "gott und die welt" und berichteten über das wundersame treffen mit dem jungen mann mit der e-zigarette am morgen.


eine gottesanbeterin auf dem jakobsweg. :)


der vorort von melide war schöner und gemütlicher, als die stadt selber...


aber auch hier waren die muscheln überall zu finden. selbst an total modernen hausfassaden. im ersten hotel war leider nichts mehr frei...


...aber im zweiten hatten wir glück! mein kommentar zur ausstattung: "wow, zwei handtücher für jeden!" unfassbar, wie der camino die wahrnehmung verändert. schon nach drei tagen.


wir hatten einen tollen abend mit liane. sie hat uns den letzten teil der strecke "gezogen", sodass wir stolze 28 kilometer schaffen konnten! "es ist noch jemand aus gießen hier...", war der letzte gedanke vor dem wohlverdienten schlaf.

tag 4


meine erkältung war schlimmer geworden, sodass wir uns nach der herzlichen verabschiedung von liane auf den weg zum arzt machten. wir kamen erstaunlich schnell dran und nachdem der arzt gesagt hatte, dass ich weiter den camino laufen kann, ging es mir auch schon viel besser. ibu profen und antibiotikum wurden in der apotheke geholt und weiter ging unser abenteuer...


verlaufen konnte man sich bei der guten beschilderung wirklich nicht.



unsere ausrüstung hatte sich bewehrt. obwohl ich blasen an den füßen hatte (was bei mir normal ist), waren die trekkingschuhe die richtige entscheidung. auch die langen hosen, die man mit einem reißverschluß auf knielänge kürzen konnte, waren ihre investition wert. morgens hatten wir sie lang, mittags in der sonne kurz.





im "deutschen cafe" wurde erstmal lecker gefrühstückt.



leider war auch diese kirche wieder geschlossen.



nur noch 40 kilometer! wie es sich wohl anfühlt, "da" zu sein...?



immer wieder trafen wir den jungen mann mit der e-zigarette. er hatte seit tagen nichts von tina aus gießen gehört. :(



unsere pension in arzua. super modern! (was nicht unbedingt hätte sein müssen) am abend riefen wir meinen vater an, um ihn zu fragen ob er uns ein hotel in santiago reservieren könnte. von anderen pilgern hatten wir nämlich erfahren, dass am samstag ein feiertag sei. nach dem feierlichen ankommen wollten wir ungern noch nach einem freien hotel suchen müssen... von zuhause am pc geht das ja recht einfach. zumindest einfacher als nach 120km mit gepäck! :)



vor uns lag die schlimmste nacht bezüglich meiner erkältung. wenigstens psychisch fühlte ich mich besser, da wir ja medikamente hatten und sie es etwas aushaltbarer machten. in zwei tagen würden wir santiago erreichen. wie es wohl sein wird? 

tag 5


"morgen erreichen wir santiago!", war der erste gedanke beim wach werden. die wände der zwar optisch sehr modernen pension, waren dünn wie die tempo-taschentücher, die ich in der nacht aufgebraucht hatte. es nutzte alles nichts, wir mussten weiter...


120 km hört sich nicht viel an, wenn man es auf  sechs tage verteilt. das viel größere übel sind die höhenunterschiede. besonders das bergab-laufen machte uns und den knien zu schaffen. die ersten tage freuten wir uns noch, wenn wir einen berg bewandert hatten und es dann auf der anderen seite wieder runter ging. so war das jetzt nicht mehr...


dieses lokal an der landstraße war einfach nur verrückt. die komplette decke hing voll t-shirts, überall hatten die pilger ihre nachrichten und wünsche in allen sprachen der welt mit edding hinterlassen. 


der weg führte uns weiter durch den wald, aber auch über landstraßen...


wir kamen in einer ganz süßen pension unter. beim anblick der trocknenden wäsche am haus mussten wir schmunzeln. die frau sprach nur spanisch. aber dies mit einer mimik und gestik, die wir super verstanden!


bei facebook sahen wir, dass liane bereits santiago erreicht hatte. morgen würden wir dort sein. mein vater hatte uns zum glück ein hotel reservieren können, das nur 300m von der kathedrale entfernt war.


tag 6



wie immer pilgerten wir bei sonnenaufgang los. da die junge frau in der pension kein wechsel- und wir kein kleingeld hatten, blieb es zunächst bei nur einem kaffee am morgen. das nächste café würde sicherlich in ein paar kilometern kommen. so war es auch. und es gab dort nicht nur kaffee, sondern auch heike und kerstin! :)

diese kirche war nicht verschlossen. wir zündeten eine kerze an und holten uns einen stempel.


wir liefen zusammen weiter. sie waren die ersten, die wir am sonntag getroffen hatten und nun machten wir vier "kurzzeitpilger" die letzten kilometer zusammen. auch das wetter spielte wieder super mit.

eigentlich dachten wir ja, dass wir liane nochmal in santiago treffen würden. aber sie war leider schon im zug, auf dem weg zurück nach hause. "ich vermisse meine jeans!", hat sie schon an dem abend gesagt, als wir zusammen essen waren. 


heike, die gerne ihr wissen aus dem reiseführer mit uns teilte, kündigte schon am unspektakulären flughafen (an dem wir auch gelandet sind) den berg der freuden an. als wir endlich da waren, war die freude groß - und der berg auch! von dort aus hatte man nämlich zum ersten mal einen blick auf santiago. ein foto davon habe ich nicht gemacht, es waren bäume davor. ^^ 


der letzte stempel für unseren pilgerpass...


aus zwei mach vier! 


die altstadt von santiago, unesco weltkulturerbe und für mich ein grund alles zu knipsen!


wann sind wir endlich da? ich würde mal sagen, das sieht schonmal gut aus... mein herz raste wie wild.


das gefühl des ankommens kann man nicht beschreiben. wir umarmten uns vor freude und ich hatte schon ein bisschen pipi in den augen. wir hatten es geschafft. wir waren geschafft. eine halbe stunde lagen saßen wir vor der kathedrale santiago de compostela und wurden ungefragt zum motiv für touris.

wir wollten auch sofort in die kathedrale rein gehen, aber das war leider mit rucksack nicht erlaubt. als wir vor dem hintereingang standen, sprach mich eine junge frau an: "sorry, we want to make a picture!" ich stand ihr im weg, da nur sie mit dem hintereingang der kathedrale auf dem foto sein wollte...^^

eben noch foto-motiv, jetzt plötzlich im weg. wir waren verwirrt. und es waren echt viele menschen, im vergleich zu dem was wir von den letzten tagen gewohnt waren.


nachdem wir unsere compostela-urkunde geholt hatten, kamen wir mit einem deutschen ins gespräch, der schon acht mal die pilgermesse besucht hatte, aber nur zweimal wurde der riesige weihrauch-kessel geschwenkt. also wurden schnell die rucksäcke im hotel abgestellt...



 ...und danach ging es schon weiter zur pilgermesse. man sollte schon eine stunde eher dort sein, um einen sitzplatz zu bekommen.



abschluss einer jeden pilgerreise ist das umarmen des jakobus von hinten. (von vorne geht nicht, hab ich aber erst da gemerkt...) da wir uns wieder mit heike und kerstin getroffen hatten, konnte sich auch jeder in ruhe umschauen und die anderen hielten die plätze frei. 

die höhe der kathedrale, die prunkvollen statuen und der riesengroße weihrauch-kessel waren schon sehr eindrucksvoll! der jakobus war schon ganz "abgegriffen" und das umarmen wäre nichts für einen hypochonder gewesen... :)

von der messe haben wir leider nicht so viel verstanden. es war natürlich auf spanisch und wir sind einfach immer aufgestanden, wenn die anderen es getan haben. (wir sind ja eigentlich evangelisch)

ganz oft fiel das wort "peregrino" = pilger! dann wurden die pilger genannt, die an dem tag santiago erreicht hatten. wir dachten, dass nur die vorgelesen werden, die seit wochen unterwegs waren... 

aber dann: "...alemana de sarriá!" das waren wir!! (gänsehaut...!)


danach war ich kurz der meinung, dass sich das pendel bewegt hatte. 
"hast du gesehen, es hat sich bewegt...", flüsterte ich links neben mich...
"nein, so viel glück können wir nicht haben.", war die gelangweilte antwort von der seite.

dreimal dürft ihr raten, was passiert ist...
(hier sollte ein video sein, es funktioniert aber nicht auf allen geräten)



der geruch war... sagen wir mal INTENSIV! :)

santiago bei nacht. recht hektisch und voller pilger und anderer touristen. wir aßen zusammen mit heike und kerstin und verabredeten uns für den nächsten tag, um gemeinsam das pilgermuseum zu besuchen.


ein wundervoller tag ging zu ende. die füße schmerzten, die schultern fühlten sich an wie die eines boxers. aber wir hatten es geschafft! den jungen mann mit der e-zigarette hatten wir heute auch mehrmals getroffen. tina war noch nicht hier...

ein tag in santiago lag noch vor uns. im nachhinein kann ich sagen, dass der tag in santiago alles "abrundete"... 



letzter tag



ich musste meine flipflops anziehen. trotz erkältung war es an diesem morgen einfach nicht möglich, wieder in die wanderschuhe zu schlüpfen. die blasen waren schuld. da es aber nicht so warm war, mussten nach einer tasse kaffee ein paar neue schuhe her. danach bummelten wir durch die stadt und kauften für die eltern einige mitbringsel. wir trafen auch den jungen mann mit der e-zigarette wieder. er wartete auf tina...


natürlich hatten wir uns auch mit heike und kerstin verabredet.
heike zitierte wieder aus dem reiseführer: "ein zweifellos beeidruckendes gastronomisches erlebnis bieten die restaurants in der rúa do franco..."

ja, einen besuch war diese gasse doch wirklich wert. :)


danach verschlug es uns in´s pilgermuseum. mit unserem pilgerausweis gab es sogar einen rabatt beim eintritt. für mich war es tierisch interessant, (ich las auch alle informationstafeln auf englisch) aber leider für den rest der kleingruppe nicht. sie wollten etwas über´s pilgern erfahren, wie es im mittelalter war und warum man den jakobus überhaupt umarmen sollte... 


zu diesen fragen gab es in dem museum leider keine antworten, sodass wir uns zum sonnenuntergang auf dem platz vor der kathedrale einfanden.


mein fundstück auf dem riesengroßen platz: ein 1-cent-stück mit der kathedrale santiago de compostela auf der rückseite...


zum abendessen wollten wir in ein restaurant gehen, in dem für gruppen die queimada hergerichtet wird. das traditionelle heißgetränk soll hexen und gute geister beschwören. 


als wir durch die gassen liefen, war das licht so schön - ich musste die ganze zeit fotos schießen und ich finde, jedes der bilder wäre eine postkarte wert!


im restaurant war eine steinmauer, auf deren fugen und absätzen viele münzen lagen bzw. eingeklemmt waren. "ich glaube, es bringt glück... wenn ich meinen cent hier lasse!" sagte ich und nach einigen versuchen war er schließlich befestigt.

da oben in der mitte ist meiner!
nach einer üppigen mahlzeit und der einheizenden queimada (grappa, kaffee, zitrone und sonstiges undefinierbares, das alles zusammen angezündet wurde und bestimmt super gut für meine erkältung war...)


...schlenderten wir zurück richtung kathedrale. der eigentliche weg wurde uns von der nächtlichen müllabfuhr versperrt, sodass wir in eine seitengasse ausweichen mussten. vor einer kleinen kneipe winkte uns der junge mann mit der e-zigartte zu. und neben ihm... tina!

wir unterhielten uns nur kurz mit tina.

als wir ein paar meter weiter gelaufen waren, schauten wir uns an...
die müllabfuhr! 
wäre sie nicht gewesen, hätten wir tina nie getroffen. zufall? schicksal? zauber? was dieses treffen für uns bedeutete, merkten wir erst im nachhinein. es rundete alles ab! es ergab sich ein ganzes! 

(ich bezweifle, dass es für tina genauso war - für sie sind wir sicher nur "kurzzeitpilger"...^^)


nachdem wir uns auf den platz vor die kathedrale gelegt und uns die massiven mauern mal "falschrum" angeschaut hatten, verabschiedeten wir heike und kerstin. unser abenteuer war zu ende.


während wir auf dem weg zum hotel waren, entdeckten wir die gelben pfeile wieder. 
gelbe pfeile richtung kap finisterre, dem "ende der welt". 
am liebsten wären wir weiter gelaufen.


buen camino!




alle tage vom jakobsweg in einzelnen posts gibt es hier


habt einen schönen, be*zaubernden* sonntag.
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Kommentare:

  1. Wunderschöner Bericht, liebe Caro :)
    Da ich deinen Blog noch nicht so lange kenne, kannte ich die Posts noch gar nicht – total spannend und interessant! So etwas sind Erlebnisse, die einen prägen und niemand kann sie einem nehmen :)
    Ich finde es sehr schön zu lesen, wie hilfsbereit, menschlich und herzlich die Leute miteinander umgehen – ist heutzutage nicht mehr immer so selbstverständlich.

    Wünsche dir einen guten Start in die neue Woche und liebste Grüße,
    Rosy

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  2. Liebe Caro,
    wirklich wie angekündigt eine wunderbare Geschichte!
    Es ist sehr interessant zu lesen wie es euch bei eurem Marsch ergangen ist und die Fotos untermalen das ganze einfach super...
    Toll finde ich auch, dass man einige Menschen auf dem Weg immer wieder trifft, kleine Freundschaften entstehen und man sich gegenseitig zum weiterlaufen ermutigt.
    Ich denke ihr habt auch einige sehr interessante Menschen kennengelernt...
    Das mit dem Handy hätte mir durchaus auch passieren können...
    Liebe Grüße, LENA

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  3. Wow,!! Ich habe großen Respekt! Das traue ich mir dann doch nicht zu ;)!

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stell dir vor, mein blog wäre eine bühne... dann ist das hier das feld, wo du deinen applaus lassen kannst. :) lieben dank dafür!